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Außeneinheit einer Luft-Wasser-Wärmepumpe an einem Wohnhaus
Wasserqualität

Was Ablagerungen wirklich kosten

Verschlammung ist kein Schönheitsfehler, sondern eine Energiefrage. Schon eine Schicht von einem Millimeter verändert die Bilanz einer Heizung messbar — und bei einer Wärmepumpe deutlich stärker als bei einem Gas- oder Ölkessel.

Thermisches Fouling

Der Belag, der wie eine Dämmmatte wirkt

Biofilm besteht zu rund 90 % aus Wasser, festgehalten in einer Matrix aus extrazellulären polymeren Substanzen. Gebundenes Wasser leitet Wärme extrem schlecht — deshalb isoliert ein Biofilm bei gleicher Schichtdicke oft stärker als klassischer Kesselstein oder Magnetitschlamm.

Rohrquerschnitt mit wachsender Belagschicht freier Querschnitt 95 % Schichtdicke 0,2–0,5 mm

Maßstäblich dargestellt am Beispiel eines DN-25-Rohres

Mehrverbrauch an Energie
3–5%

Die Anlage verliert unbemerkt an Dynamik. Räume am Ende des Heizkreises werden minimal langsamer warm — im Alltag fällt das noch niemandem auf.

sauber0,2–0,5 mm1,0 mm2,0 mm

Richtwerte, keine Zusicherung Die Prozentangaben sind branchenübliche Erfahrungswerte aus der Anlagentechnik. Der tatsächliche Effekt hängt von Anlagentyp, Auslegung, Wasserinhalt und Betriebsweise ab.

Zwei Effekte

Wärme kommt schlechter an — und Wasser schlechter durch

01 — Thermisch

Die Isolationswirkung

Der Belag legt sich als geschlossene Schicht auf die Rohrinnenseite und auf alle Wärmeübertragungsflächen. Die Wärme muss zusätzlich durch diese Schicht hindurch, bevor sie im Wasser oder im Raum ankommt.

Die Anlage verliert zuerst unbemerkt an Dynamik: Räume am Ende des Heizkreises werden langsamer warm. Später muss der Wärmeerzeuger die Vorlauftemperatur anheben, um den thermischen Widerstand zu überwinden — bei Brennwertgeräten geht dabei zusätzlich der Brennwertnutzen verloren.

02 — Hydraulisch

Der Strömungswiderstand

Ein Biofilm verengt nicht nur den Innendurchmesser, seine Oberfläche ist biologisch bedingt rau und wellig.

Die Umwälzpumpe muss mehr Druck aufbringen, um dieselbe Wassermenge durch die Leitungen zu fördern. Ihr Stromverbrauch steigt, während der Volumenstrom — und damit die transportierte Wärmemenge — trotzdem sinkt.

Wärmepumpe

Warum moderne Anlagen empfindlicher reagieren

Ein Verbrennungskessel kann eine Belagschicht mit höherer Vorlauftemperatur überspielen. Eine Wärmepumpe arbeitet in engen thermodynamischen Toleranzen — dort schlägt derselbe Millimeter sofort auf die Effizienz durch.

1 °C ≙ 3–5 %

Die Faustformel Jedes Grad zusätzliche Vorlauftemperatur verschlechtert den COP um etwa drei bis fünf Prozent. Muss ein System wegen eines Belags mit 40 °C statt 35 °C fahren, liegt der Kompressor bereits bei rund 15 bis 25 Prozent Mehrverbrauch.

  1. Kompakte Plattenwärmetauscher

    Moderne Wärmepumpen nutzen hocheffiziente Plattenwärmetauscher mit sehr engen Strömungskanälen — oft nur wenige Millimeter breit. Ein Millimeter Belag verengt diese Kanäle massiv.

  2. Kettenreaktion beim Stromverbrauch

    Um die Wärme durch die isolierende Schicht zu drücken, hebt die Regelung die Vorlauftemperatur an. Über die Faustformel oben schlägt das unmittelbar auf den Verbrauch des Kompressors durch.

  3. Reduzierter Volumenstrom

    Magnetit aus Korrosion und klebriger Biofilm erhöhen den Strömungswiderstand. Die Hocheffizienzpumpe läuft auf maximaler Stufe und verbraucht mehr Strom, während der Durchfluss dennoch sinkt.

Das größte Risiko: Vereisung Wird der Durchfluss im Plattenwärmetauscher zu stark blockiert, kann die Wärme auf der Heizungsseite nicht schnell genug abgeführt werden. Bei Luft-Wasser-Wärmepumpen droht der Wärmetauscher im Abtaubetrieb dann stellenweise einzufrieren. Gefrierendes Wasser dehnt sich aus, sprengt die filigranen Platten — Kältemittel und Heizungswasser vermischen sich. Bei älteren Geräten bedeutet das den wirtschaftlichen Totalschaden.

Brauchwasserseite

Kalk im Plattenwärmetauscher

Wird kalkhaltiges Trinkwasser in einer Frischwasserstation oder über ein internes Umschaltventil erhitzt, fällt ab etwa 55 °C deutlich mehr Kalk aus. In den engen Kanälen eines Plattenwärmetauschers hat das spürbare Folgen.

Betrieb

Effizienz und Komfort

Kalk wirkt als Dämmschicht: Bereits ein Millimeter senkt die Wärmeübertragung um rund zehn Prozent. Die Folge ist meist kein plötzlicher Ausfall, sondern ein schleichender Verlust — die Spreizung am Frischwassermodul steigt, und trotz höherer Drehzahl der Umwälzpumpe kommt bei gleicher Speichertemperatur eine niedrigere Temperatur im Warmwassersystem an.

Gleichzeitig wachsen die Plattenabstände zu: Am Hahn kommt spürbar weniger Durchfluss an.

Verschleiß

Folgeschäden an der Technik

Durch den fehlenden Durchfluss kann die Wärmepumpe die erzeugte Energie nicht schnell genug abführen. Das führt zu erhöhtem Verschleiß am Kompressor und an der Ladepumpe — den beiden teuersten Bauteilen der Anlage.

Die erhöhte Spreizung wirkt sich vor allem im Abtaubetrieb aus: Dort führt sie mindestens zu Niederdruckstörungen, im ungünstigsten Fall zum Abfrieren des Wärmetauschers.

Womit zu rechnen ist

Maßnahme / SchadenKostenbereichHintergrund
Zusätzliche Stromkosten 50 – 150 € / Jahr Durch die verringerte Effizienz bei der Warmwasserbereitung.
Entkalkung durch die Fachfirma 200 – 450 € Reinigung im eingebauten Zustand (CIP-Verfahren) mit Pumpe und Säure, etwa Zitronen- oder Ameisensäure.
Austausch des Plattenwärmetauschers 500 – 1.200 € Wenn die Kanäle vollständig zugesetzt sind und keine Säure mehr durchgeht. Material und Arbeitszeit.
Folgeschaden am Kompressor 1.500 – 3.500 € Der ungünstigste Fall: Der Verdichter nimmt durch Überlastung Schaden. Bei älteren Anlagen wirtschaftlicher Totalschaden.

Am Beispiel eines Einfamilienhauses mit rund 5 bis 20 kW Heizleistung. Unverbindliche Orientierungswerte für den österreichischen Markt, Stand 2026. Maßgeblich ist immer das Angebot Ihres Installateurs.

Prävention

Was sich dagegen tun lässt

  1. Früh reagieren

    Sobald das Warmwasser die gewohnte Temperatur nicht mehr erreicht oder der Druck nachlässt, sollte eine Fachfirma den Wärmetauscher spülen. Im Frühstadium ist das eine Wartung — später ein Austausch.

  2. Vorlauftemperatur begrenzen

    Die Warmwasser-Solltemperatur an der Wärmepumpe nach Möglichkeit auf maximal 50 °C einstellen. Oberhalb von 55 °C steigt die Kalkausfallrate deutlich an. Die Vorgaben zur Legionellenprävention sind dabei einzuhalten — das legt Ihr Installateur anlagenbezogen fest.

  3. Heizungswasser stabil halten

    KWplus wird in den Rücklauf gesetzt und arbeitet dort dauerhaft im Hintergrund: rein physikalisch, ohne Strom, ohne Chemie und ohne Wartung. Der Rohrquerschnitt bleibt vollständig frei, es entsteht kein zusätzlicher Druckverlust.